Freitag, September 29, 2017

Chile - Das Land der vielen Facetten

Life_Gourmet
Castro und seine "Stelzenhäuser"
Von Bariloche – Argentinien reise ich über die Grenze nach Chile, genauer gesagt nach Puerto Varas. Die Chilenen nehmen es bei der Einreise übrigens sehr genau und jeder muss nicht nur aus dem Bus aussteigen und selbst einreisen wie an vielen anderen Grenzen, sondern jeder muss auch sein Gepäck aus dem Bus-Kofferraum holen und vor sich aufbahren. Nachdem alle in Reihe und Glied auf gereiht sind kommen 2 Polizisten mit Hunden, welche jede Person und das dazugehörige Gepäck genau unter die Nase nehmen. Erst nach der Prozedur können wir alle nach und nach einreisen und erhalten neben einem Stempel in den Pass einen Kassenbon auf dem alle wichtigen Daten der Einreise festgehalten wurden.
Ausblick bei der Grenzüberquerung
In Puerto Varas angekommen beziehe ich mein Hostel und gönne  mir im strömenden Regen einen Spaziergang durch die Stadt, während ich mir chilenisches Geld besorge und im Anschluss einige Einkäufe mache. Je südlicher ich in dieser Jahreszeit reise, desto schlechter wird das Wetter, aber dieses Städtchen sollte nicht der südlichste Punkt bleiben. Die Stadt selbst ist mal wieder was ganz anderes als die Städte in Argentinien und besticht besonders durch seine Lage an einem riesigen See, welcher natürlich mit Bergen am Horizont gesäumt ist und bei gutem Wetter auch einen Blick auf den Vulkan der Gegend gestattet. Nach 2 Nächten in Puerto Varas buchte ich mir einen Bus der mich auf die Insel Chiloé nach Castro bringen sollte. Über Puerto Montt fuhr der Bus direkt auf die Fähre und innerhalb von 25 Minuten befanden wir uns dann auch schon auf der Insel Chiloé. Nun noch etwa 60-90 Minuten in Richtung Süden und meiner Ankunft in Castro stand nichts mehr im Wege.
Puerto Varas am Morgen
Aussicht aus dem Toilettenfenster der Fähre
In Castro hatte ich mir ein Hostel etwas außerhalb gebucht, wie weit außerhalb das gute Haus dann tatsächlich war stellte ich erst fest, als ich mit meinem Backpack geschlagene 60 Minuten (davon ca. 30 Minuten steil Berg auf) vom Terminal brauchte um diese zu erreichen. Aber die Mühe sollte sich lohnen, denn mein Zimmer war leer und der Ausblick aus meinem Zimmer reichte über die gesamte Bucht der Stadt. Berühmt ist die Stadt für seine alten Stelzen-Häuser, welche die Bucht der Stadt säumen und sowohl bei Ebbe wie auch bei Flut ein echter Augenschmaus sind. Da das Wetter auch hier nicht besser werden wollte, entschloss ich mich dazu meine Reise schweren Herzens in Richtung Norden fortzusetzen, da 20 Stunden Regen am Tag einen auf Dauer echt Depressiv machen können auf Dauer, auch wenn ich Nachmittags immer Mal 2-3 Stunden blauen Himmel und strahlende Sonne hatte.
Castro und seine "Stelzenhäuser"
Castro und seine "Stelzenhäuser"
Weiter führt meine Reise also in Richtung Norden nach Ancud (Chiloé). Hier blieb ich nur eine Nacht, um außer Castro noch einen anderen Ort auf diesem kleinen Inselchen gesehen zu haben und siehe da meine Hartnäckigkeit wurde belohnt, denn in etwas größer Entfernung konnte ich tatsächlich einen Wal erspähen und mit meiner Kamera einfangen. Erst später beim auswerten der Fotos stellte ich fest, welch Rarität mir da vor die Linse geschwommen ist, dann Orcas in dieses Gewässern, besonders zu dieser Jahreszeit sind äußerst ungewöhnlich.
Mit der Fähre ging es zurück aufs Festland, um dann von Puerto Montt weiter nach Pucón zu fahren. Pucón ist ein kleiner relativ touristischer Ort in der Nähe von dem Ort und dem Vulkan mit dem Namen Villarica. Besonders sind hier die Nationalparks in denen man vorzüglich wandern gehen kann, was ich trotz Hüfthohem Schnee auch getan habe, bis ein weiterkommen ohne Spezialausrüstung einfach nicht mehr möglich war. Ein weiteres Highlight ist die Besteigung von einem der zwei aktiven Vulkane Südamerikas dem Villarica. Zum Zeitpunkt meines Besuches lag jedoch zu viel Schnee, sodass keine Touren angeboten wurden, aber nicht destotrotz konnte ich ein Bild von der Schönheit schießen.
Wandern in hüfthohen Schnee :)
Wandern in hüfthohen Schnee :)
Vulkan Villarrica
Weiter führte mich die Reise vorbei an den Weingebieten Chiles (falsche Saison) in die Hauptstadt des Landes nach Santiago de Chile. Hier kam ich bei einem Couchsurfer unter und verweilte einige Tage ohne viel Sightseeing zu machen, bevor ich schließlich die letzten beiden Tage dazu nutzte, den Hügel San Cristóbal zu besteigen und die Sehenswürdigkeiten und Museen der Stadt abzuklappern. Mein Host Sebastian stellte mir nicht nur einige seiner Freunde vor, mit denen ich nicht ganz warm wurde, da ein Gespräch über die Flüchtlingssituation in Deutschland Ausmaße annahm die sich jeglichem Verständnis meiner Seite entzog. Ich sag nur so viel: Sehr gläubiges, christliches, Mitte zwanziger  Pärchen  mit einem Keuschheitsgelübde, welches aber alle Flüchtlinge ohne Rücksicht auf Verluste zurück nach Syrien schicken würde. Nächstenliebe ist hier Fehlanzeige, da hilft wohl auch die Bibel nicht!  Sebastian half mir auch dabei, mein Handy reparieren zu lassen, da dieses seit meiner glorreichen Wanderung im hüfthohen Schnee mit Jeans seinen Dienst versagt hatte.
Ausblick von San Cristóbal auf Santiago und die Anden
Von Santiago aus ging es in Richtung Westen an die Küste des Landes nach Valparaíso und Viña del Mar. Während Valparaíso als Stadt mit viel Streetart und einem ähnlichen Anblick der „brasilianischen Favelas Punkten kann, da es gleichzeitig natürlich nicht so gefährlich ist wie in Rio, verzaubert Viña del Mar durch deutlich weniger Touristen und einem direkten Zugang zu Meer, der in Valparaíso durch ein riesigen Hafengelände verbaut ist. In Viña del Mar übernachtete ich bei Veronica (Couchsurferin) die mir viel über die Kultur, die Entwicklung und vieles mehr über das Land näher brachte.
Valparaiso
Viña del Mar
Mit dem Flugzeug (weil es günstiger war) flog ich von Santiago aus in den Norden des Landes nach Calama. Direkt vom Flughafen aus nahm ich einen Bus der mich in das kleine Wüsten Städtchen San Pedro de Atacama brachte. Dieser Ort ist der Ausgangspunkt für zahlreiche Touren in die trockenste Wüste der Welt, welche auf über 2000 Höhenmetern liegt und dadurch nur eine angenehme Wärme von 25-30 Grad tagsüber aufweist. (im Winter) Ich verzichtete auf die teuren Touren und mietete mir gemeinsam mit Marco (einem anderen Deutschen) 2 Tage lang ein Fahrrad und wir starteten gemeinsam Touren zum „Moonvalley“ , mit etwa 40km am ersten Tag und zum 30 Kilometer entfernten Catarpe Valley am zweiten Tag. Das Moonvalley ist etwas bergiger und der Untergrund teilweise sehr uneben, daher ist es der deutlich schwieriger zu befahrende Teil, allerdings bietet dieser einige Punkte an denen man das Fahrrad abstellen kann und dann einige kleine Wanderungen für 15-45 Minuten machen kann. Darunter läuft man zu alten Ruinen einer Mine, kann durch eine Höhle aus Salzgestein laufen und auf einer riesigen Monster Düne für ein Foto posieren. Am zweiten Tag besuchten wir erst Pukara de Quitor, welches die alten Ruinen eines Forts der Spanier  sind, bevor wir weiter fuhren zum Devil‘s Throat und dem Valley Catarpe, welches deutlich einfacher zu befahren ist als das Moonvalley, allerdings kleine Passagen hat bei denen man einen Fluss durchqueren muss. Landschaftlich sind beide Ausflüge total unterschiedlich und bieten eine sehr gute Abwechslung ohne das man das Gefühl hat etwas doppelt zu sehen.
Von San Pedro aus führte mich meine Reise weiter in den Norden Argentiniens nach Salta. Die Fahrt mit dem Bus über die Anden kann ich nur empfehlen, da sie ein echter Augenschmaus ist!

Fazit Chile:

Mir hat Chile sehr gefallen, besonders da das Land sehr facettenreich ist und vom Süden bis in den Norden ganz verschiedene Landstriche anzubieten hat. Egal ob Wüste, Berge, Meer oder Insel immer wieder bekommt man etwas Neues zu sehen und man hat nie das Gefühl das die Landschaft in diesem Land einem langweilig wird. Die Menschen sind sehr offen, auch wenn sie oft kein englisch sprechen und da ich auch ohne große Spanisch Kenntnisse auskomme, funktionierte ein Gespräch mit Händen und Füßen meistens trotzdem mit Erfolg. Chile du hast mein Versprechen ich komme wieder und dann will ich besonders auch den Süden sehen!

Life_Gourmet / Autor & Editor

Ich bin ein abenteuerlustiger, neugieriger, optimistischer, ehrgeiziger, kontaktfreudiger Realist der es liebt sich Wissen anzueignen. Neue Herausforderungen sind mein Steckenpferd und ich liebe das Reisen und Erkunden neuer Orte und Kulturen.

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