Montag, Mai 01, 2017

Südkorea - Mehr als Samsung und Gangnam-Style

Life_Gourmet
Festival in Seoul

In der Nacht landet mein Flieger auf dem internationalen Flughafen von Seoul. Kurzfristig entschied sich mein Couchsurfing Host Chan mich trotz der ungewöhnlichen Uhrzeit gegen 5.30Uhr dort abzuholen, wie ich erfuhr als ich mich mit dem Wifi im Flughafen verbunden habe. Ich schnappte mir mein Gepäck und am Ausgang wartete Chan schon auf mich. Schnell zog ich noch Geld am ATM, da ich nur wenige Yen über hatte, die ich in Wong tauschen konnte. 
Etwa eine Stunde später erreichten wir die Wohnung von Chan und gönnten uns beide erst einmal eine Mütze voll Schlaf, da er die ganze Nacht Computerspiele gezockt hatte und ich im Flugzeug nur kurz die Augen geschlossen hatte. Nachmittags startete ich mit der Erkundung des Stadtteils Suyu in dem Chan lebt. Nach Suyu finden eher wenige Touristen, da es in einem der Außenbezirke der Stadt liegt und somit eher uninteressant für die meisten Reisenden ist. Hier findet man viele Restaurant, eine ganze Meile von Bars und natürlich viele lokale Garküchen und Geschäfte. Abends gehen wir in ein Restaurant und essen eine der Lieblingsspeise der Koreaner das BBQ. Jeder Tisch hat einen kleinen eingelassenen Grill auf dem man selbst sein Fleisch grillen kann und dazu gibt es neben Kimchi (eingelegtes Radieschen), verschiedene Saucen und Reis.
Suyu by night
Typisches BBQ in Korea
Während meiner Zeit in Seoul habe ich das Glück, dass eine Art Festival stattfindet, welches eigentlich einen recht traurigen Anlass hat, wie ich später erfahren habe. Vor einigen Jahren gab es ein großes Schiffs/Fährenunglück in Korea bei dem mehrere hundert Studenten starben. So richtig wurde der Fall nie aufgeklärt und die damalige Regierung verbot Proteste um dieses Thema herum. Die Aktivisten bzw. alle Menschen die diesen verstorbenen Menschen öffentlich gedenken wollten, entschlossen sich daraus ein jährliches Festival zu machen. Gelbe Schleifen bzw. Schmetterlinge zeigen, dass man den Opfern des Unglücks gedenkt und sind auf diesem Festival allgegenwärtig. Ich selbst wurde von dem ganzen etwas überrumpelt, da ich aus der U-Bahn ausstieg und eigentlich zum Königspalast wollte und plötzlich in Mitten dieses Festivals stand. Die Stimmung war super und an allen Ecken spielten Musikbands, zeigten Artisten Kunststücke oder Samba Gruppen heizten der Menge ein. Im Königspalast liefen viele hundert Pärchen mit traditioneller Kleidung herum und an vielen Ecken fanden kleine Konzerte mit traditioneller Musik statt. Die Kulisse mit dem alten Palast und einer Bühne unter Kirschbäumen, welche durch den Wind Ihre Blüten langsam verlieren, tauchte eine der Bands in einen „Regen von Kirschblüten“.
Gelbe Schmetterlinge als Gedenken und aus Solidarität
Traditionelle Koreanische Musik
Festival in Seoul
Im Königspalast
Pärchen in traditioneller Kleidung
Traditionelle Kleider
Natürlich darf bei einem Besuch in Seoul auch der wohl berühmteste Stadtteil Gangnam nicht fehlen. Vielen erst ein Begriff durch den weltweiten Hit, ist der Stadtteil die Businesszentrale von vielen Unternehmen in Südkorea. Mittlerweile hat man dem Hit von Psy, der durch seinen etwas speziellen Pferdereit-Tanz Kultstatus im Internet erlangte, ein Denkmal gesetzt.
Die Hände zeigen den Tanz von Gangnam Style Song
Mit meinem Host Chan besuchte ich abends noch verschiedene Orte, um zum Beispiel einen Blick auf die Skyline der Stadt bei Nacht werfen zu können und natürlich den ein oder anderen geschichtlichen Hintergrund des Landes zu erfahren. Sehr speziell ist auch das Kriegsdenkmal in Seoul, welches einige Soldaten zeigt. (siehe Bild)
Kriegsdenkmal
Seoul by night
Vielen Koreanern den ich begegnet bin sind zum Beispiel die zahlreichen Amerikaner im Land ein Dorn im Auge, da sie das Gefühl haben, dass Amerika das Land „klein hält“ und eine Menge Geld aus Korea zieht. Dazu muss man allerdings wissen, dass die USA zahlreiche Militärstationen im Land und vor allem in Seoul hat und die Präsenz somit für alle Koreaner allgegenwärtig ist. Die wenigstens fürchten einen Krieg mit Nordkorea oder Attacken von Kim Jong Un, da Südkorea laut der Menschen mit denen ich gesprochen habe, noch immer eine ganze Menge Geld an Nordkorea gibt. Ob das stimmt kann ich nicht beurteilen, aber die Koreaner wurden in den letzten Jahren von Korruption und der eigenen Präsidentin sehr gebeutelt, welche nun für Ihre „Machenschaften“ in Untersuchungshaft sitzt und auf Ihre Verhandlung wartet. Eine neue Präsidentenwahl findet in den folgenden Monaten statt.

Da die Züge nach Busan mit ca. 50€uro relativ teuer daher kommen, habe ich kurzerhand einen Flug von Seoul nach Jeju und 2 Tage später weiter nach Busan gebucht zum selben Preis.

Jeju ist die größte Insel des Landes und liegt südlich vom Festland in der Nähe von Japan. Die Insel besticht durch Ihre Landschaft und den zahlreichen Möglichkeiten zum wandern auf verschiedene Berge und durch verschiedene Nationalparks. Bei meinem kurzen Besuch entscheide ich mich für einen der zahlreich ausgezeichneten Parks, allerdings muss ich zügig feststellen, dass dieser leider komplett aus- oder umgebaut wird und daher alle 5-10 Minuten ein Laster mit Holzstämmen meinen Weg kreuzt. Das Gefühl einen idyllischen Nationalparks bekommt irgendwie einen faden Beigeschmack. Im „Loveland“ kann man dann noch die ein oder andere skurrile Skulptur bestaunen.
Jeju Island
Loveland
Nationalpark
Einer Der Lastwagen
Wanderwege zwischen den Nationalparks
Wusstest du eigentlich, dass du in Korea älter bist?
Die Koreaner berechnet das Lebensalter anders als wir Europäer. Während wir erst ein Jahr nach der Geburt werden 1 Jahr alt werden, sind die koreanischen Babys bereits bei der Geburt ein Jahr alt. Allerdings gibt es noch weitere Unterschiede, unzwar feiern alle Koreaner gemeinsam Geburstag am 1. Januar des Jahres was dazu führt, dass ein Baby das im November geboren ist, am 1 Januar bereits sein 2 Lebensjahr erreicht, während es in Deutschland erst 6-8 Wochen alt ist.

In Busan lerne ich Lucien und seine Freundin kennen, die mich für 3 Nächte in Ihrer kleinen Wohnung nächtigen lassen. Tagsüber erkunde ich die Stadt und abends genießen wir gemeinsam das Abendessen, dass Luciens Freundin zubereitet oder der Lieferservice gebracht hat. Die Koreaner bestellen fast alles im Internet, selbst die normalen Einkäufe oder ein neues Ladekabel fürs Handy  werden innerhalb von wenigen Stunden frei Haus geliefert. Die Wohnung der beiden liegt nur einen Steinwurf von einem der Strände der Stadt entfernt.
Strand in Busan
In Busan besuche ich einen Stadtteil der durch seine zahlreichen bunten Häuser ein Touristenmagnet ist und durch die Lage etwas an Rio erinnert. Durch zahlreiche kleine Gänge und Treppen kann man zwischen den hunderten kleinen, bunten Häusern entlang laufen und ins lokale Leben vor Ort eintauchen. Das Flair in diesem sehr speziellen Teil der Stadt ist unbeschreiblich schön und zwischen jeder den Häuserfassaden hat man immer wieder einen Blick aufs Wasser und viele weitere Häuser und Gänge. Die Häuser sind von einem Tal bis hoch auf ein Berg gebaut, sodass ein gewaltiger Höhenunterschied dir immer wieder wundervolle Ausblicke über die gesamte Region verschafft.
Ein weiteres meiner Ziele ist der Taejongdae Park. Dieser liegt auf einer Insel der Stadt etwas ab vom Schuss, sodass man mit einem Bus bis zum Eingang des Parkes fahren kann. Der Rundgang durch den Park ist ca. 3,5km lang und auf diesem gibt es einige Dinge, wie zum Beispiel einen Leuchtturm, steile Klippen, einen Strand, einen Tempel und einige Ausstellungen und Galerien zu entdecken.
Bucht mit steilen Klippen und einem lokalen Markt rechts.
Lokales Seafood
Ausblick aus dem Nationalpark
Natürlich sind 12 Tage keine lange Zeit um sich ein Bild von einem ganzen Land wie Korea zu verschaffen, aber es ist genug um erste, intensive Eindrücke zu sammeln und besonders durch das Couchsurfen erhält man sehr intensive Einblicke in das Leben und die Mentalität der Menschen vor Ort. Mir persönlich hat Korea, vor allem aber die Mentalität der Menschen in Korea sehr gefallen. Obwohl ich mittlerweile einige asiatische Länder besucht habe, ist es immer wieder erstaunlich wie unterschiedlich die verschiedenen Mentalitäten der Menschen in den verschiedenen Länder und Kulturen sind. Bist du auf der Suche nach außergewöhnlichem Essen, ist Korea vermutlich der falsche Anlaufpunkt für dich, aber mehr als Samsung und Gangnam-Style hat das Land alle Mal zu bieten.

Life_Gourmet / Autor & Editor

Ich bin ein abenteuerlustiger, neugieriger, optimistischer, ehrgeiziger, kontaktfreudiger Realist der es liebt sich Wissen anzueignen. Neue Herausforderungen sind mein Steckenpferd und ich liebe das Reisen und Erkunden neuer Orte und Kulturen.

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